Hintergrundinformationen zu Noma

Noma, abgeleitet aus dem altgriechischen Wort "nomein", bedeutet wörtlich übersetzt "weiden, abfressen", was sinngemäss als "um sich fressendes Geschwür" übersetzt werden kann. Im deutschen Sprachgebrauch kennt man auch die Bezeichnung Wangenbrand. In dieser Bezeichnung sind bereits zwei Charakteristika der Erkrankung enthalten, zum einen der Ort, nämlich die Wange, und zum anderen die Art und Weise, nämlich eine Entzündung. Bei Noma handelt es sich also um eine vom Zahnfleisch oder von der Wangenschleimhaut ausgehende Entzündung, die schnell die Durchblutung verhindert und zum Absterben des Gewebes führt.

Die lateinische Bezeichnung "Cancrum Oris" zielt insbesondere auf den zerstörerischen Charakter der Erkrankung ab. (Was allerdings nicht ganz korrekt ist, denn bei Krebs wuchert Gewebe, im Gegensatz zu Noma, wo aufgrund der Infektion das nicht mehr durchblutete Gewebe abstirbt.)

Modernere Bezeichnungen wie Stomatitis ulcero-gangraenosa treffen den Charakter von Noma eher.

Ursachen und Häufigkeit von Noma

Noma ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die bei gesunden Kindern nie auftritt. Früher, bevor eine Vielzahl von Medikamenten, insbesondere Antibiotika, entdeckt wurde, trat Noma als Komplikation nur bei Kindern auf, die schwere Infektionskrankheiten wie Scharlach, Masern oder Typhus durchgemacht hatten und sich in einem schlechten Allgemein- und Ernährungszustand befanden. Heute ist Noma bei unter- und mangelernährten Kindern in Entwicklungsländern, die in schlechten hygienischen Verhältnissen leben, noch immer eine verbreitete Erkrankung.

Noma ist in vielen afrikanischen Ländern epidemisch. Es erkranken gemäss Schätzungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) jährlich gegen 100'000 Kinder an Noma. Die Sterberate beträgt 80%. Die Krankheit existiert im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit sozusagen nicht. Dies unter anderem auch, weil Noma nach wie vor dämonisiert wird. Häufig werden deshalb betroffene Kinder vor Fremden oder gar vor der eigenen Dorfbevölkerung versteckt.

Krankheitsverlauf

Die Erkrankung beginnt mit Entzündungen des Zahnfleischs oder der Mundschleimhaut. Von dort schreitet die Erkrankung schnell voran und befällt innert weniger Tage tiefere Gewebeschichten wie Muskulatur und sogar Knochen. Sie kann sich je nach Verlauf innert fünf Wochen über das gesamte Gesicht ausbreiten. Dementsprechend können wichtige Funktionen wie Atmen, Kauen, Schlucken, Sprechen, Riechen und Sehen unwiderruflich beeinträchtigt werden.

Informationsplakat der WHO

Die erkrankten Kinder leiden nicht nur unter grossen Schmerzen und dem Verlust von wesentlichen Funktionen, sondern auch unter dem Absterben des Gewebes, was sie häufig stark entstellt und das soziale Zusammenleben zusätzlich erschwert.

Behandlung von Noma, Komplikationen, Sterblichkeit

Die am meisten Erfolg versprechende Behandlung von Noma ist das Vermeiden dieser Erkrankung durch gute Mundhygiene, eine verbesserte Ernährungssituation der Kinder sowie eine erfolgreiche Behandlung bzw. Vermeidung anderer Krankheiten wie Malaria, Masern, Röteln, Typhus, etc.

Ist Noma einmal aufgetreten, muss das betroffene Kind sofort mit einem angepassten Not-Ernährungsprogramm und einer medikamentösen Antibiotika-Therapie gerettet und sein Immunsystem aufgebaut werden - danach wäre meist auch eine weiterführende Behandlung mit plastischen Operationen sowie Physiotherapie notwendig. Dies übersteigt jedoch die Möglichkeiten der Entwicklungsländer bei weitem.

Komplikationen ergeben sich durch den zerstörerischen Charakter der Erkrankung. Prinzipiell können alle Strukturen des Gesichtes betroffen sein: Mund, Zunge, Nase und Augen. Letztlich machen eine Kiefersperre oder fehlende Kiefermuskulatur ein Kauen und Schlucken gar nicht mehr möglich. In der Folge stirbt das Kind an Durst, Hunger, Erbrochenem oder an der Infektion selbst. Ohne Hilfe sind Komplikationen unvermeidlich - die Krankheit endet dann meist tödlich: die Sterblichkeitsrate ohne medizinische Betreuung liegt leider bei hohen 80%. Erhält ein Noma-Opfer aber rechtzeitig fachgerechte Hilfe, so liegt die Überlebenschance nahe bei 100%.

Massnahmen gegen Noma

Die Erkrankung könnte durch strukturierte präventive Massnahmen und durch Verbesserung der sozio-ökonomischen Verhältnisse in den Entwicklungsländern vermieden werden. Dazu gehörte vor allem die Verhinderung von Unterernährung! Helfen würde auch die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse sowie die Vermeidung bzw. Behandlung von Erkrankungen wie Masern, Röteln, etc. und die Vermeidung bzw. Behandlung von anderen Infekten verursacht durch Parasiten (Malaria, Würmer, etc.), Viren oder Pilze.

Hat Noma aber ein Kind schon befallen, bleibt nichts anderes mehr übrig als die Infektion so schnell wie möglich medikamentös zu stoppen und das Kind mit gesunder, ausgewogener Ernährung zu stärken. Nur die wenigsten Nomakinder haben daraufhin das grosse Glück, von europäischen Chirurgen gratis eine Wiederherstellung der Kau- und Sprech-Funktionen bzw. des eigenen Gesichts zu erhalten.